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DAS TERRITORIUM
Die Stadt Ostra Antica erhob sich auf einer Flussterrasse am linken Ufer des Flusses Sena (heute Misa). Sie lag strategisch günstig am antiken Straßenkreuzungspunkt zweier Ausstülpungen der Via Flaminia. Die erste kam von Forum Sempronii (Fossombrone) her über Suasa nach Ostra. Dieser Straßenverlauf wurde als Anfangsabschnitt der sogenannten Salaria gallica festgestellt, die parallel zur Küstenstraße ins Picenum bis Ascoli führte, wie einige verbliebene Meilensteine beweisen. Die zweite Ausstülpung ging von der Via Flaminia auf der Höhe der Siedlung Ad Ensem (Scheggia) ab und führte über Sentinum (Sassoferrato) und Ostra schließlich nach Sena Gallica (Senigallia) und damit zu den Seehandelswegen der Adria. Nach der Schlacht von Sentinum im Jahr 295 v. Chr. wurde das von den gallischen Senonen seit dem 4. Jh. bewohnte Gebiet von den Römern unterworfen und zu einem Teil des Ager Gallicus.
DIE STADT
Das Municipium Ostra (vom Rom abhängige Stadt ohne römische Bürgerrechte) entstand wahrscheinlich in der zweiten Hälfte des 1. Jh. v. Chr. mit der Landverteilung Cäsars an seine Veteranen nach Ende des Bürgerkriegs und wurde dem Stamm Pollia zugewiesen. Die neue politische und administrative Situation machte städtische Einrichtungen nötig: Eine Stadtmauer, das Forum (antike Inschriften erwähnen ein Collegium fabrum und ein Collegium Centonariorum, ein Beweis für das Bestehen von Handwerkergilden), einen Tempel (der Bona Dea geweiht), einen bedeutenden Thermenkomplex und ungewöhnlicher Weise ein Theater, was die Lebendigkeit der Stadt deutlich macht.
Wir besitzen keine weiteren Nachrichten über die Stadt bis zum Jahr502, als Ostra Bischofsitz wurde. Im 5. Jh. n. Chr. wurde sie während der Barbareninvasionen von den Goten Alarichs zerstört. Die überlebenden Einwohner flüchteten auf die Höhen, die besser zu verteidigen waren, was zur Gründung einer Siedlung am Ort des heutigen Ostra Vetere führte.
Nach diversen Wechselfällen während der Langobarden- und Karolinger-Herrschaft entwickelte sich das Dorf während der mittelalterlichen Wiederbelebung von 1200 zu einer eigenständigen Gemeinde und wurde Montenovo genannt, ein Name, der erst 1882 in Ostra Vetere abgeändert wurde, auf besonderen Antrag und bestätigt durch ein königliches Dekret.
DAS GRABUNGSGEBIET
Etwa drei Kilometer vom heutigen Ostra Vetere liegt auf einem ebenen Gelände namens "Lemuracce“ das Grabungsgebiet. Nach der zufälligen Entdeckung der männlichen Statue kamen bei Grabungen während der ersten Jahre des letzten Jahrhunderts wichtige Überreste der antiken Stadt ans Licht. Man entdeckte ein weitläufi ges, durch drei gepfl asterte Straßen begrenztes Forum, ein Theater von etwa 45 m Durchmesser, einen Teil der Tempelwand und ein riesiges Thermalgebäude; nach der Sichtung wurde fast alles wieder mit Erde bedeckt.
DAS RÖMISCHE THEATER
Als man zu Beginn des letzten Jahrhunderts neben dem Thermalbereich Ausgrabungen machte, kam ein Theater von gewaltigen Ausmaßen zum Vorschein. Von der damals angefertigten grafi schen Dokumentation blieb aber nur sehr wenig erhalten. Ab 2005 hat das staatliche Altertumsamt in Abstimmung mit der Gemeindeverwaltung Ausgrabungen durchgeführt,
um herauszufi nden, wie weit die verfügbaren Aufzeichnungen mit der tatsächlichen Beschaff enheit und Typologie der erhaltenen Strukturen übereinstimmten.
Die gewonnenen Ergebnisse sind von großem Interesse. Sie haben nicht nur bereits Bekanntes bestätigt, sondern man stieß auch im Norden des Bühnenbereichs auf einen Säulengang, von dem man bis dahin nichts gewusst hatte. In diesem Bereich kamen Reste von Säulen ans Tageslicht, die auf der Nordseite des ganzen Bühnenteils entlanglaufen. Man fand heraus, dass der Bühnenbau drei Ebenen aufwies, die erste eine Vertiefung ähnlich einem Orchestergraben, die anderen beiden erhöht. Der Bühnenbau hat eine Länge von 34,63 m und erreicht mit seitlichen Anbauten eine Gesamtlänge von 49,13 m.
DIE STATUE
Nach Jahrhunderten der Vernachlässigung und des völligen Vergessens von dem, was in der Antike eine lebendige Stadt gewesen war, führte eine ebenso zufällige wie außergewöhnliche Entdeckung auf die Spur des antiken Ostra: das Standbild, das angeblich Trajan darstellt.
Es handelt sich um eine heroisch nackte männliche Statue aus Paros-Marmor, die einen Mantel trägt, welcher auf den linken Arm fällt und um die Hand gewickelt ist, die ihrerseits den Schwert-griff hält.
Sie weist die typischen Merkmale von offi ziellen kaiserlichen Abbildern auf, die zu propagandistischenZwecken über die diversen Municipia verteilt wurden, und da das Bild des jeweiligenKaisers ebenso wie das seiner Frau den künstlerischen Stil zwingend vorgab, kann man das Abbild der Zeit des Kaisers Trajan zuordnen (98-117 n. Chr.).
Die Statue, 1841 im Forum gefunden, wurde nach vielen Wechselfällen nach Genf verkauft und verblieb im Musée d´Art et d´histoire.
DIE THERMEN
Auf der Südwestseite der Stadt kam ein weitläufi ges Gebäude von viereckigem Grundriss ans Licht, das man auf das 2. Jh. n. Chr. datiert und das bis zum 4. Jh. benutzt wurde. Es ist etwa 60 m lang und teilt sich in zwölf mit Mosaikbelägen dekorierte Räume. Die in Aquarelltechnik hergestellten Mosaike zeigen vielfarbige geometrische Muster.
Im Herbst 2000 ließ das Altertumsamt der Marken einige Mosaikböden ausgraben, restaurieren und dann wieder zusammensetzen. Dabei entdeckte man Teile eines darunter liegenden Bodens aus wasserdichtem Estrich (opus signinum) und zweifarbigem Mosaik aus der Zeit zwischen dem ersten vor- und dem ersten nachchristlichen Jahrhundert, die auf ein Wohngebäude hinweisen, das vor den Thermen hier stand.
DIE STRASSEN
Während der Ausgrabungen des Jahres 2009 wurde der Eingang in die Stadt von Sena Gallica her ermittelt. Die Straße, die heute wieder mit Erde bedeckt ist, um sie in ihrer Substanz zuerhalten - sie fällt mit dem decumanus maximus,der Hauptorientierungsachse römischer Landvermesser, zusammen – aus Steinplatten von beträchtlicher Größe gebaut, wurde in gutem Zustand vorgefunden. Im selben Jahr setzte man die Ausgrabungen am Forum fort und legte außer einigen Räumen, die sich zum Forum hin öff nen, auch die Straße frei, welche dieses begrenzte.
Diese Straße, heute wieder auf einer Länge von 14 m sichtbar, ist hervorragend erhalten. Der Straßenbelag aus Steinplatten wird seitlich von 80 cm breiten Gehwegen eingefasst, die einige Dutzend Zentimeter über der Fahrbahn angelegt sind.
DER TEMPEL
Seit 2006 wurden unter Federführung der Ärchäologischen Abteilung der Universität Bologna Maßnahmen zur Wiederherstellung auch in dem Bereich unternommen, wo sich der Tempel erhob. Die zwei noch heute sichtbaren Räume des Sakralgebäudes ruhen auf einem Sockel, der sich gut drei Meter über das Niveau des gepfl asterten Forums erhebt und aus großen Kalksteinplatten des Furlo besteht. Der Tempel wurde in der Spätantike als Gebäude für christliche Gottesdienste benutzt.
Nach dem Tempel grub man auch ein Gebäude mit mehreren Quadratmetern weißem Mosaikfußboden aus. Das rechteckige Gebäude, das allerdings an einer Seite auf die Apsis stößt, diente wahrscheinlich als Schrein für einen Kult, der mit dem benachbarten Tempel zusammenhing.
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Alcune foto degli scavi:



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